Bödldorf im Kröning

siehe Buch "Kröning - Leben im Landshuter Raum" von Prof. Dr. Hermann Englberger

Filme und Schriften   Tag des offenen Denkmals   Bayerische Denkmalliste

 

Filme und Schriften

Als sehr sehenswert gilt das alte Hafnerdorf Bödldorf als einziges Ensemble im und um Kröning. Sogar das Bayerische Fernsehen widmete dem Weiler mehrmals einen herausragenden Platz in seinem Programm. Schon 1987 sendete die Reihe „Aus Schwaben und Altbayern“ über Kröning mit den Worten: „Eines der zehn Dörfer ist Bödldorf, ein paar Höfe, an die 30 Einwohner. Auch hier ein Hineinschmiegen in die Mulde des Ackerlandes. (…) Bödldorf ist für volkskundlerische Denkmalpfleger ein Juwel, eine große Ausnahme, eine Rarität. Sie haben das ganze Dorf schon vermessen, weil hier noch alles so ist, wie es einst immer war. (…) Urzustand eines Dorfes auf dem Kröning.“ Sodann zeigte die Reihe „Zwischen Spessart und Karwendel“ 2005 wieder einen Film über Kröning und erklärte: „In Bödldorf kann man heute noch viele der stolzen Hafneranwesen bewundern. Die Höfe haben eine auffallend breite Giebelfront. Der letzte Hafnermeister ist allerdings schon (lange) gestorben. Von der einstigen Betriebsamkeit ist daher kaum mehr etwas zu spüren – stattdessen Stille. Viele der Höfe sind verlassen, und obwohl sie unter Denkmalschutz stehen, verfallen sie.“

Auch der neue lesenswerte Reiseführer „In Niederbayern“ von Renate Just 2007 würdigt den Weiler folgendermaßen: „Eine Freude ist aber vor allem das alte Hafnerdorf Bödldorf, ein paar Kilometer südlich von Kirchberg. Der ganze Ort wurde als Ensemble denkmalgeschützt, sechs Höfe an einer gewundenen Dorfstraße und die Weilerkapelle an deren Ende, schön eingerahmt von Bauerngärten mit hölzernen Staketenzäunen und Streuobstwiesen. Seit 1474 waren die Töpfer hier daheim, beim Uiderl und beim Gratz, beim Martl und beim Mathies. Heute achten eher gutbürgerliche Herrschaften darauf, dass ihr Dorf seine ausnahmehafte Intaktheit bewahrt.“

Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, der das Fachgebiet für Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume der Technischen Universität München leitet, schreibt am 30.11.2005 an den Autor über Bödldorf, er „finde den Ort aus unserer Forschungsperspektive auch sehr interessant, weil sich dort der Wandel offenbar innerhalb historischer Substanz vollziehen kann und dennoch eine völlig neue Struktur entsteht.“ Vor diesem Hintergrund verfasste Anna Mengele 2007 eigens eine visionäre Diplomarbeit über „Neue Landschaften zwischen urbanen Lebensformen und ländlichem Denkmal - Die Lehmstraße im Kröning“.

In ihrer Serie "Freizeit im Landkreis" geht die Landshuter Zeitung am 27.06.2008 näher auf die "Geschichte mit ländlichem Charme - Bödldorf im Kröning" ein und empfiehlt, es "auf den ruhigen Rad- und Wanderwegen zu erkunden".  

Tag des offenen Denkmals

Die Landshuter Zeitung informiert zwar bereits am 27.11.2004 in einer Serie über Kulturdenkmäler begeistert über den „Ausflug in den Weiler Bödldorf“. Aber vor allem anlässlich des „Tag des offenen Denkmals“ am 10. September 2006 berichten die regionalen Zeitungen ausführlich über das historische Hafnerdorf mitten im Kröning. So schreibt die Vilsbiburger Zeitung am 26.08.2006: „Bödldorf steht in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz. Man kann dort jedoch nicht nur eine unverfälschte ländliche Siedlung erleben, der Flecken atmet förmlich die stolze Geschichte der einstmals so bekannten Keramik-Herstellung.“ Und weiter am 6.09.2006: „(Besucher) können in Bödldorf erstaunliche Beobachtungen machen: Wie ein über viele Generationen gewachsenes Dorf weiter entwickelt wurde, ohne seinen Charme zu verlieren oder wie neue Nutzungen entstanden und entstehen in den alten Hafnerhöfen und das Ganze doch seine Maßstäblichkeit und seinen Charme bewahrt hat.“ Dann überschreibt die Landshuter Zeitung ihren Bericht am 12.09.2006 so: „Ein Dorf bewahrt die Vergangenheit – Rund 1000 Besucher kamen: Am Tag des offenen Denkmals erwachte Bödldorf zum Leben. (…)  Bödldorf beeindruckte an die 1000 Besucher bei einer ausführlichen Exkursion in die Hafner-Vergangenheit.“ Schließlich folgert der Heimatverein Vilsbiburg in seinem Rundschreiben im März 2007: „Mit einem guten Echo auf unsere Einladung zum Tag des offenen Denkmals am 10. September in Bödldorf hatten wir insgeheim schon gerechnet. Dass es jedoch knapp Tausend Besucher werden sollten, die sich über ein noch in seinen Strukturen weitgehend erhaltenes Kröninger Hafnerdorf informieren wollten, verblüffte selbst die Optimisten im Vorbereitungsteam. Begünstigt durch das angenehme Spätsommerwetter am Sonntag des Papstbesuches kam eine Stimmung auf, die sich mit Worten schwer wiedergeben lässt.“

Bayerische Denkmalliste

In seiner Broschüre über den Landkreis Landshut äußert sich auch das Landratsamt Landshut 2005 über diesen Ort: „Wohl einmalig in ganz Niederbayern ist die Ortschaft Bödldorf. Dort sind diese typischen Hafnerhäuser noch erhalten, weshalb der ganze Weiler von Hausnummer 1 bis 6 als Ensemble in die Denkmalliste aufgenommen wurde.“ Tatsächlich ist Bödldorf seit den 1970er Jahren insgesamt als Ensemble in die Bayerische Denkmalliste eingetragen: Schon vor der Kröninger Hafnerhandwerksordnung von 1428 waren hier Hafner tätig. Im Jahr 1474 werden drei Hafner aus Bödldorf erstmals im Steuerregister Teisbach erwähnt. Die Urkatasterkarte aus dem Jahr 1843 zeigt die erstmals vermessenen und nummerierten Grundstücke. Noch im Zeitraum von 1767 bis 1903 sind durchgehend fünf Hafnerwerkstätten nachweisbar – von heute sechs Anwesen, auf einer flachen Anhöhe 502 m hoch gelegen. Beiderseits der leicht gekrümmten Straße und umgeben von alten Bauerngärten wie Obstbäumen liegen die geschützten Baudenkmäler. Bemerkenswert ist – so heißt es in der Denkmalliste – die bislang ungestörte Bautradition des Weilers, dessen Bauernhäuser durchwegs noch das alte Flachsatteldach und ein teils überputztes Blockbauobergeschoss aufweisen. Vom Typus her sind die Bödldorfer Häuser Einfirsthöfe, nämlich Mitterstallbauten und Mittertennbauten, mit Hochlaube- und Traufschrot-Balkon. Durch Zubauten im 19. Jahrhundert entfalteten sich daraus Hakenhöfe sowie Drei- und Vierseithöfe.

Die Weilerkapelle mit Dachreiter steht seit 1849 an der Bödldorfer Kreuzung. Gleich daneben findet sich in Hr.1 beim „Mathies“ ein Exemplar des Rottaler Wohnstallhauses als Blockbau, zum Hof offen, mit kleinem Giebelschrot. Parallel dazu steht ein Stallstadel mit einem Obergeschoss in Blockbau, im Kern von 1730. Die Hafnerei wurde 1913 eingestellt, 1937 der Brennofen abgebrochen. Heute wird das Anwesen landwirtschaftlich betrieben.

Gegenüber steht in Hr.2 beim „Metzger“ ein Wohnstallhaus von 1838, das gut erhalten und schrittweise renoviert wird. Ursprünglich war der Wohnteil ein zweigeschossiger Blockbau, heute ist er im Erdgeschoss teilweise durch Mauerwerk ersetzt. Der Stall bewahrt noch ein böhmisches Kappengewölbe. Bis ins 19. Jahrhundert wurde auf diesem Anwesen eine Dorfmetzgerei betrieben.

Die Dorfstraße führte früher durch den weiten Vierseithof Hr. 3 beim „Bauer“. Das Haupthaus stammt aus dem Jahr 1871, das Gesindehaus und der Heustadel kamen 1910 hinzu, 1963 schließlich der Kuhstall. Bis 1988 hat man das Anwesen als Landwirtschaft betrieben. Seit 1993 wurde der Hof vom neuen Besitzer Dr. Gerd Wenninger vollkommen renoviert und dient inzwischen alls Tagungsstätte samt Unterkunft. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 31.12.2005 darüber: „Vom Stall ins Seminar. (… Der) Vierseithof beherbergt nicht nur Hochlandrinder, Ziegen und Katzen, sondern auch Übernachtungsgäste, die Seminare in einem der drei Themenbereiche Teamführung, Persönlichkeitsentwicklung und Verhaltenstraining buchen können.“ Sogar Bayerns Staatsminister Erwin Huber war im April 2006 und Juni 2009 zu Gast auf diesem Seminarhof, der auch im Internet zu finden ist (www.hof-boedldorf.de). Außerdem hat vor sieben Jahren der Asanger Verlag seinen Hauptsitz hierher verlegt. Mit 300 lieferbaren Buchtiteln zählt Asanger heute zu den führenden psychologischen Fachverlagen in Deutschland (www.asanger.de).

Eine exponierte Stellung nimmt das ehemalige Hafneranwesen Hr.4 beim „Uiderl“ ein. Um 1780 wurde der stattliche Mittertennbau als Holzblockbau mit Trauf- und Oberbodenschrot erbaut sowie später verputzt. Unter dem Haus befand sich ein 2 m tiefer Tonkeller, und vor dem Haus lag eine 25 qm große Tongrube. Bis 1928 hat die Familie Zettl auf dem Anwesen die Hafnerei betrieben. 1930 haben sie dann das Erdgeschoss eingemauert, die Fenster vergrößert und den Geschirrbrennofen abgebrochen. In den 1930er Jahren wurde auch der Stadel erneuert, den Backofen hat man bis in die 1950er Jahre genutzt. Noch immer ist in diesem Hafnerhaus die charakteristische Raumfolge Wohnteil-Hausgang-Werkstatt-Tenne-Stall zu finden. Dort hat Georg Zettl als letzter lebender Hafner von ganz Kröning bis 1990 gelebt. Ebenfalls 1990 hat Museumsleiter Lambert Grasmann zum Thema „Beim Uiderl in Bödldorf“ im Heimatmuseum Vilsbiburg eine Sonderausstellung aufgebaut und ein Sonderheft veröffentlicht. Diesem besonderen Hof widmete die Vilsbiburger Zeitung am 2.09.2006 wiederum eine Seite unter dem Titel „Der Handscherm gehörte zum Uiderl - Die Geschichte der Familie Zettl zeigt die letzte Phase der Kröninger Hafnerkeramik.“

Schräg gegenüber erreichen wir Hr.5 beim „Gratz“, ein weiteres ehemaliges Hafneranwesen seit dem 15. Jahrhundert. Der Mitterstallbau ist im Kern seit 1769 erhalten. Das Obergeschoß ist als Blockbau errichtet und teilweise verputzt. Um 1810 wurden quer ein geständerter Traidkasten und Heubodenstadel auch in Blockbau angebaut. Die Hafnerei (mit sogenannter realer Hafnergerechtsame) wurde bis 1914 ausgeübt, anschließend bis 1980 der landwirtschaftliche Betrieb. Den historischen Stadel hat 1988 das Landesamt für Denkmalpflege durch aufwendige verformungstreue Bauaufmaße dokumentiert. 2005 haben die neuen Eigentümer einen alten Kuhstall abgebrochen, ein neues Wohnhaus errichtet und den baufälligen Stadel renoviert (www.e-berger.de).

Schließlich kommen wir zu Hr.6 beim „Martl“, einem weiteren früheren Hafneranwesen, das sehr gut erhalten ist. Das Wohnstallhaus wurde um 1790 in Blockbau mit Oberbodenschrot und zwei kleinen Traufschroten errichtet und später teilweise verputzt. 1922 hat man den Hafnereibetrieb beendet, 1941 den Brennofen abgebrochen und den Stadel versetzt sowie 1976 die Landwirtschaft auch als Nebenerwerb aufgegeben.

Weitere Bilder und Texte im Buch "Kröning - Leben im Landshuter Raum"

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