Wippstetten

siehe Buch "Kröning - Leben im Landshuter Raum" von Prof. Dr. Hermann Englberger

Das Dorf   Wallfahrtskirche   Vereine und Feste   Bauernhöfe

 

Das Dorf

Einen km südlich von Jesendorf erblicken wir Wippstetten auf 468 m Höhe, gegründet vor ca. 800 Jahren, umgeben von vielen verstreuten Einzelhöfen. In dem Haufendorf leben derzeit nurmehr 50 Einwohner (1985 waren es noch 55). Fünf Straßen und Wege führen uns durch den kleinen Ort: „Geistl.-Rat-Ingerl-Weg“ (nach Lorenz Ingerl, Förderer der Expositur Wippstetten, 1893-1973), „Friedhofring“, „Kirchenstr.“, „Lindenstr.“ und „Waldweg“. Unter Denkmalschutz steht an der Kirchenstr. 2 der  Traidkasten als Blockbau aus dem Jahr 1732 beim Vierseithof „Schmied“. Weitere alte Hofnamen sind im Dorf erhalten, nämlich „Stoama“, „Hafnerbauer“, „Huabauer“, „Kiama“ und „Wirt“.

Wallfahrtskirche

An der Kirchenstr. 8 beeindruckt uns die prächtige Wallfahrtskirche Mariae Geburt. Ursprünglich wurde diese Kirche als spätgotische Anlage um 1470 erbaut, ehe man sie nach 1750 im Stil des Volksbarock prunkvoll ausstattete. Imposant erhebt sich inmitten des Friedhofs der vorgesetzte Westturm. Das Landratsamt Landshut schreibt in seiner Broschüre „Der Landkreis Landshut“ 2005: „Ein besonderes Schmuckstück ist die kleine Wallfahrtskirche in Wippstetten. (…) gilt sie in ihrer Größenordnung als eine der schönsten Kirchen des ganzen Landes. (…) machen sie zu einem Kleinod von hohem künstlerischen Wert.“

Im Inneren der Kirche fallen oben die dekorativen goldfarbenen Deckengemälde von 1760 auf. Die Malereien überziehen das gesamte Gewölbe, indem sie im Chor Marias Geburt und im Schiff Marias Himmelfahrt zeigen. Der barocke Hochaltar steht frei und ist dicht mit Figuren und Engeln besetzt. Ein dreiteiliges Tabernakel dient als Sockel. Darüber zeigt das spätgotische Gnadenbild Madonna mit Kind als Schnitzfigur von 1530, worum sich Engel scharen, von Sonnenstrahlen umleuchtet. Seitlich stehen die Figuren des Hl. Wolfgang und Hl. Augustinus. Oben im Auszug ruht groß der segnende Gottvater als Figur von 1760. Auch aus jenem Jahr stammen die beiden Seitenaltäre. Die Altarblätter stellen links die Enthauptung der Hl. Katharina und rechts die Folter des Hl. Sebastian dar. Sehr kostbar erscheint auch die Kanzel. Am Korpus zeigt sie vergoldete Reliefs des Hirten und der vier Kirchenväter, am Deckel hält sie Evangelistensymbole und Vasenaufsätze. Zur reichen Einrichtung zählen darüber hinaus ein Schrank voll silberner Weihegaben sowie prunkvolle Monstranzen und Kelche.

Um das Jahr 1450 setzten ausgedehnte Wallfahrten nach Wippstetten ein und erreichten ihre Blütezeit um 1750, als die Kirche ihr heutiges Aussehen erhielt. Heute bewahrt die begehrte Pilgerstätte viele liebevoll gestaltete Votivtafeln und Opferkerzen, hunderte eindrucksvolle Wundertaten sind im Mirakelbuch überliefert. Den Status einer Expositur hat Wippstetten seit 1909. Bis 1968 war auch stets ein Priester im eigens erbauten Expositurhaus. Seither wird die Expositur von der Pfarrei St. Georg in Gerzen betreut, seit 1995 ist Franz Speckbacher dort Pfarrer. Gottesdienst findet meist am Wochenende und Freitags um 19 Uhr statt. Ein Ausflug nach Wippstetten lohnt sich vor allem am 15. August, dem Festtag „Maria Himmelfahrt“, an dem der Ort traditionell zur Wallfahrt samt Markt und Dorffest einlädt. Ansonsten finden wir hier willkommene Ruhe und Einkehr.

Vereine und Feste

Im Dorf gleich gegenüber dem Gotteshaus stand bis 1992 das Gasthaus Westenthanner. Die Einwohner konnten bis 1973 sogar vor Ort im Krämerladen einkaufen. Seit 1995 wird die alte Einsiedlerklause als neues Dorfstüberl „Zur Klause“ vom Wallfahrtsverein rege benutzt und besucht. Fünf aktive Vereine bestimmen das gemeinschaftliche Dorfleben:

                                                       Gründung       Vorstand (2007)
Freiwillige Feuerwehr Wippstetten        1893            Robert Wünsch
KSK Wippstetten                                  1925            Ralph Zehentbauer
Xaverischützen Wippstetten                  1967            
Landjugend BJB Wippstetten                 1975           
Verein Erhaltung Marienwallfahrt            1996            Josef Ostner

Diese Vereine sind es auch, die Monat für Monat Feste im Dorf oder im Vereinslokal in Hub ausrichten:

Januar:            Christbaumversteigerung FFW/KSK Wippstetten in Hub
Februar:          Faschingsball BJB Wippstetten in Hub
                       Dorffasching in der Klause
April:              Schützenball Xaverischützen Wippstetten in Hub
Mai:                 Maibaum Ortsvereine Wippstetten
                       Bittgang Wippstetten zur Kapelle Hundham
Juni:               Wallfahrt Dietelskirchen nach Wippstetten
                       Kriegerjahrtag KSK Wippstetten
                       Radbildersuchfahrt BJB Wippstetten
                       Sonnwendfeuer FFW Wippstetten
Juli:                 Sommernachtsfest BJB Wippstetten in Hundham
15. August:       Wallfahrt samt Markt und Dorffest der FFW/KSK Wippstetten
September:      Arnt-Bier BJB Wippstetten
Oktober:           Weinfest BJB Wippstetten in Hub
                        Schafkopfturnier in der Klause

Bauernhöfe

Um Wippstetten liegen etliche stattliche Bauernhöfe, die wir nacheinander aufsuchen. Am Waldrand bei Schachten wurde im 19. Jahrhundert eine Pestkapelle als gemauerter Bildstock gebaut. Vorbei an Koblpoint können wir in der Wirtstube bei Rudi Schmid im Hof Eppenöd einkehren. Nahe am Wald finden wir noch ein Marterl von 1809. Danach erreichen wir westwärts auf 478 m Höhe Hermannsreit beim „Leierseder“ und Straß beim „Straßhafner“ sowie ein Wegkreuz von 1985. In Zurlberg wird jüngst ein Reitstall namens „Zurlhof“ angeboten. Daneben verfügt Sommersberg seit 2006 über einen Landeplatz für Leichtflugzeuge. Vorbei an einer Kiesgrube kommen wir nach (Bartl am) Roß. Beim „Bader“ in Hr.2 stand ein  altes Wohnstallhaus samt Obergeschoß in Ständerbohlenbau mit Stadel aus dem 17. Jahrhundert bis zum Abbruch 1989. Gegenüber beim „Leabartl“ ist ein eisernes Wegkreuz erhalten. Die nächsten Bauernhöfe sehen wir in Hermannsöd und dann in Eggenöd mit den Hofnamen „Dasching“ und beim "Baeda". In Hr.3 steht seit 200 Jahren das Wohnstallhaus eines Hakenhofes mit Blockbau-Obergeschoß sowie Trauf- und Giebelschrot.

Als nächste Einöden erreichen wir den Vierseithof Oberklöham und den Hakenhof Unterklöham, wo das Wohnstallhaus mit Blockbau-Obergeschoß samt Holzstadel von ca. 1850 erhalten sind. Dann kommen wir zum Hof Hundham, 462 m über NN. Im Jahr 1910 hat hier Familie Fuchs eine Kapelle St. Maria als Ständerbau mit Lourdesgrotte errichtet. Diese hat Familie Englberger 1984 durch eine neue Hofkapelle in Mauerbau ersetzt. Jedes Jahr wird im Mai von Wippstetten ein Bittgang nach Hundham unternommen. Darüber hinaus feiert hier die Landjugend Wippstetten Anfang August ein langes Sommernachtsfest. Von hier aus gelangen wir nach Paring und dann nach Oed, wo bei Hr. 2 das Wohnstallhaus eines Hakenhofes mit Obergeschoß in Blockbau und Traufschrot aus dem 19. Jahrhundert erhalten ist. Gebräuchlich ist in Oed auch noch der Hofname beim „Still“. Weitere vier km südlich erreichen wir schließlich Dietelskirchen.

Weitere Bilder und Texte im Buch "Kröning - Leben im Landshuter Raum" 

^    >     © englberger kröning 2008